Deubner-Preis
des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e.V.





Deubner-Preis 2017 des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e.V.

Im Rahmen des XXXIV. Deutschen Kunsthistorikertages, den die Technische Universität Dresden und der Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V. gemeinsam in der Zeit vom 8. bis 12.3.2017 veranstalteten, wurde in diesem Jahr erneut der Deubner-Preis des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e.V. verliehen.

Traditionell wird ein Promotionspreis vergeben. Die ausgezeichnete Dissertation „sollte in deutscher Sprache abgefasst sein und innovative Ergebnisse sprachlich niveauvoll und dabei auch jenseits der Fachgrenzen verständlich präsentieren“. Aus zwanzig Bewerbungen wurde von einer Fachjury die Arbeit „Für die Nation gesichert? Das ‚Verzeichnis der national wertvollen Kunstwerke‘: Entstehung, Etablierung und Instrumentalisierung 1919–1945“ von Maria Obenaus ausgewählt.
Diese 2015 an der Technischen Universität Berlin angenommene Dissertation, die bereits als Buchpublikation vorliegt, untersucht – wie es in der Laudatio heißt – „nicht nur eine komplexe, sondern auch brisante und aktuelle Materie und hat dabei sowohl essentielle Grundlagenforschung als auch Pionierarbeit geleistet.“ 1919 hatte dieses Verzeichnis verhindern sollen, dass nach dem Ende der Monarchie aufgelöste fürstliche Sammlungen ins Ausland abwandern würden. „Jenes Verzeichnis, das zunächst die deutsche Kultur hatte ‚schützen‘ sollen, wurde indessen im sog. Dritten Reich dazu benutzt bzw. missbraucht, jüdische Sammlungen zu konfiszieren. Obenaus hat eine Fülle unmittelbarer und mittelbarer Quellen aus zahlreichen Archiven und Bibliotheken ausgewertet, und es gelang ihr, aus dieser spröden Materie spannende Erkenntnisse zu gewinnen, geradezu zu destillieren. Zugleich verfolgte sie die jeweiligen Reaktionen der breiten Öffentlichkeit und die Auswirkungen der Einführung des Verzeichnisses z. B. auf das Koordinatensystem des internationalen Kunstmarkts.“

Erstmals wird in diesem Jahr der Deubner-Preis in der neuen Kategorie Projektpreis vergeben, um – wie es in der Ausschreibung heißt – „die Wirksamkeit von Kunstgeschichte und -wissenschaft in der Öffentlichkeit zu fördern“. Weiter heißt es dort: „Gesucht werden innovative Konzepte, die von einer Einzelperson oder einer (auch interdisziplinären) Gruppe erarbeitet wurden, um ein aktuelles Forschungsthema auch jenseits der Fachgrenzen verständlich zu vermitteln. Das neu entwickelte Vermittlungsformat kann alle Bereiche der Kunstgeschichte und -wissenschaft berühren (etwa Kultur- und Forschungseinrichtungen, Museum Denkmalpflege, Wissenschafts­management, Neue Medien usw.). Es sollte Vorbildcharakter haben und auf andere Themen und Projekte anwendbar sein.“
Der erste Deubner-Projektpreis geht an Pia Ratzenberger aus Wien für ihr Projekt „Tabādul – Austausch“. Das Projekt gestaltet – so die Laudatio – „auf überzeugende Weise ein Crossover aus Wissenschaftspropädeutik für ein geisteswissenschaftliches Studium, interkulturellem Gespräch zwischen Asylsuchenden und Asylberechtigten auf der einen Seite, muttersprachlich-deutschsprachigen Studierenden auf der anderen Seite und der interkulturellen Auseinandersetzung mit ausgewählten Kunstwerken. Viertens schließlich werden die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit und inhaltlichen Auseinandersetzung vor den Objekten öffentlich präsentiert.“

Der Deubner-Preis wurde dem Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V. im Jahr 2010 von der Dr. Peter Deubner-Stiftung in Obhut gegeben. Dr. Peter Deubner wird den Preis in seinen beiden Kategorien persönlich überreichen. Die Preisverleihung während des XXXIV. Deutschen Kunsthistorikertages in Dresden findet am Mittwoch, den 8. März 2017 im Rahmen der feierlichen Eröffnung des Kongresses statt.



Maria Obenaus


Pia Razenberger. Foto: Stefan Regenfelder


Grußwort Dr. Peter Deubner

Magnifizenz,
Herr Vorsitzender,
meine Damen und Herren,

in dieser Eröffnungsveranstaltung soll nun der „Deubner-Preis 2017“ verliehen werden. Ich bedanke mich für die Einladung hierzu und überbringe Ihnen die herzlichen Grüße des Vorstands der Deubner-Stiftung.

Der Preis wird seit 2.000 alle 2 Jahre verliehen. Er war von vornherein eng mit dem Kunsthistorikertag verbunden. Erlauben Sie mir einen kurzen Rückblick.
Begründet wurde er von der Deubner-Stiftung als reiner Aufsatzpreis. Ausgezeichnet wurden Aufsätze auf dem Gebiet der Kunstgeschichte, die neue wissenschaftliche Erkenntnisse in verständlicher Form präsentierten. In dieser Phase konnten 15 hervorragende Aufsätze prämiert werden, die alle in den „Kunsthistorischen Arbeitsblättern“ veröffentlicht wurden.
Im Jahr 2010 konnte unsere Stiftung den Preis dem Verband Deutscher Kunsthistoriker in die Obhut geben, was aus unserer Sicht mit wesentlichen Vorteilen für den Preis verbunden ist. Sein Rang und seine Bekanntheit sind mit dieser Vereinbarung wesentlich gestiegen. Außerdem sehen wir den Fortbestand des Preises auf Dauer gesichert.
Seit 2011 wird die Preisverleihung in 2 Kategorien fortsetzt, zum einen als Dissertationspreis und zum anderen als Aufsatzpreis.
Mit dem jetzigen Deubner-Preis 2017 ergibt sich eine erneute Änderung.
Um ihn attraktiver zu machen, wurde der Aufsatzpreis in einen Projektpreis umgewandelt, wobei der Dissertationspreis bestehen bleibt.
So können heute eine hervorragende Dissertation und ein interessantes Projekt der Kunstgeschichte prämiert werden.
Gern beteiligt sich unsere Stiftung hieran wieder, indem sie mich beauftragt hat, die Preisgelder zu überreichen.   
Es ist uns eine Freude, die Laufbahn junger Wissenschaftler gefördert zu haben  und zu beobachten, dass die Namen unserer Preisträger so häufig in der Literatur und auf Tagungsprogrammen auftreten.

Mit 9 maliger Wiederholung blickt der Deubner-Preis tatsächlich auf eine gewisse Tradition zurück. In meiner Heimatstadt Köln spricht man ja bereits nach zweimaliger Wiederholung von Tradition, ab dem 3. Mal ist es Brauchtum

Erlauben Sie mir abschließend noch eine kurze Vorstellung der Deubner-Stiftung:      Seit ihrer Gründung vor 18 Jahren verfolgt sie zwei sehr unterschiedliche Zwecke: Zum einen nehmen wir uns benachteiligter Menschen am Rande unserer Gesellschaft  an und versuchen, ihre Not zu lindern. Das geschieht durch ein Obdachlosen-Frühstück, das wir regelmäßig ausrichten und ein Wohnheim für obdachlose Frauen und Männer, in dem diese auf ein selbstbestimmtes Leben in eigenen 4 Wänden vorbereitet werden. Auf der anderen Seite fördern wir wissenschaftliche Projekte der Kunstgeschichte und der Archäologie, so auch den heute zu verleihenden Preis. Ein Spagat, der unsere ganze Aufmerksamkeit erfordert, aber auch Freude bereitet.

Ich danke dem Vorstand des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker und der Jury für ihre hervorragende Arbeit um die Ausrichtung des Deubner-Preises und freue mich auf eine weitere gute Zusammenarbeit.

Ihnen, den Teilnehmern des Kunsthistorikertages, wünsche ich einen gewinnbringenden Austausch interessanter Gedanken und eine schöne Zeit in Dresden.



Prof. Dr. Kilian Heck, Pia Razenberger, Dr. Peter Deubner, Maria Obenaus und
Prof. Dr. Barbara Welzel (v.l.n.r.), Foto: © Dietrich Flechtner.

Mehr Informationen zur Preisverleihung

Kontakt

Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V.
Dr. Marcello Gaeta
Tel 0228-18034-182
Fax 0228-18034-209
info(at)kunsthistoriker.org

Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V.
www.kunsthistoriker.org

Dr. Peter Deubner-Stiftung
www.deubner-preis.info